3. März 2026
Willkommen zu den neuesten Markteinblicken von Damstahl, in denen wir die dynamische Welt der Trends im Edelstahlbereich beleuchten. Sie erhalten einen detaillierten Überblick über aktuelle Marktentwicklungen sowie Updates zu Preisentwicklungen, CBAM, Schutzmaßnahmen, Energie- und Transportsituation sowie zur Verfügbarkeit verschiedener Produktgruppe
Das Jahr 2026 ist für unsere Branche mit Rückenwind gestartet: Die Nachfrage zieht an, die Kapazitätsauslastung verbessert sich, und die Preistendenz zeigt erstmals seit drei Jahren wieder nach oben. Auf europäischer Ebene bestätigen verschiedene Indikatoren diesen Trend—unter anderem der ifo‑Index in Deutschland, der mit durchschnittlich 83,6 % auf eine deutlich höhere Auslastung der Industrie hindeutet. Zugleich bleibt das Umfeld anspruchsvoll: Neben Rohstoff‑ und Frachtdynamiken rücken regulatorische Faktoren (CBAM, neue Safeguards) und geopolitische Entwicklungen stärker in den Vordergrund.
Im vorliegenden Report bündeln wir die wichtigsten Beobachtungen zu Rohstoffen, Produkten und Transport, geben Orientierung zu CBAM und Safeguards und ordnen die Implikationen für Beschaffung, Preisstrategie und Bestandssteuerung ein.
In unserem Herbst‑Report 2025 lag Nickel bei 14.600 USD/t. Über den Jahreswechsel zog der Preis kurzzeitig über 18.500 USD/t an und hat sich inzwischen bei rund 17.000 USD/t stabilisiert. Treiber sind vor allem die Diskussionen um Minenlizenz‑Kürzungen in Indonesien (2026), während LME‑Bestände weiter steigen und teils neue Rekordstände markieren.
Ausblick: Wir gehen von einer Seitwärtsbewegung um 17.000 USD/t aus. Das würde die zuletzt volatile Entwicklung der Alloy‑Surcharges beruhigen und damit die Preiskalkulationen in den kommenden Wochen stabilisieren.
Der Chrom‑Markt zeigt sich weiterhin wenig bewegt. Nach kleineren Schwankungen liegt Ferrochrom unverändert bei rund 1,00 USD/lb. Kurzfristig rechnen wir nicht mit substanziellen Veränderungen. Eine vertiefte Einordnung liefern wir im Frühjahrs‑Update.
Molybdän blieb 2025 über weite Strecken stabil und setzt diesen Kurs fort. Aktuell notiert der Markt bei ca. 65.000 USD/t, was einem Plus von rund 9 % gegenüber unserem letzten Bericht entspricht. Das verstärkt die Alloy‑Surcharges in Mo‑haltigen Güten (z. B. 1.4404, 1.4571) und weitet die Preisdifferenz zu 304‑Qualitäten aus.
Aluminium
Die anhaltend hohen Preisniveaus spiegeln mehrere Faktoren: eine erhöhte Investmentnachfrage, robuste Rohaluminium‑Nachfrage aus E‑Mobilität und Energieinfrastruktur (insbesondere in China), sowie ein enges globales Angebot. China hält seine Kapazität wegen CO₂‑Vorgaben bei 45 Mio. t und produziert nahe Volllast, während westliche Schmelzen durch Energiepreise und begrenzte Stromverfügbarkeit gebremst werden. LME‑Lager liegen deutlich unter Vorjahr, was die physische Knappheit untermauert.
Kupfer
Nach Rekordständen im Januar 2026 (~ 14.500 USD/t) fielen die Preise bis Mitte Februar (~ 12.700 USD/t)—bedingt durch steigende Lagerbestände (> 1 Mio. t) und geringere Aktivität in China vor dem Neujahr. Strukturell bleibt der Markt jedoch angespannt: Rechenzentren/AI, E‑Mobilität und Netzausbau stützen die Nachfrage, während Streiks, Logistikengpässe und sinkende Erzgehalte die Minenproduktion dämpfen (Implikation: Defizit ~ 330.000 t in 2026). Zusätzliche US‑Lageraufbauten verstärken die Volatilität.
Zum Winterstart zeigte Erdgas im Q4/2025 eine stabile bis leicht rückläufige Bewegung—mit Tiefs von 26–28 €/MWh im Dezember. Gründe: gut gefüllte EU‑Speicher, verlässliche US‑Lieferungen sowie milde Witterung und hohe Windeinspeisung. Ein kälteres Intermezzo im Januar/Februar 2026 hob Preise vorübergehend auf 32–33 €/MWh; inzwischen hat sich der Markt wieder stabilisiert. Versorgungsengpässe erwarten wir bis zum Ende der Heizperiode nicht.
Die Transportaktivität bleibt in Summe verhalten (voraussichtlich bis Ende Q1). Einige Reedereien befahren den Suezkanal wieder, bislang jedoch selektiv—Nordeuropa ist noch nicht vollständig eingebunden. Mit einer kompletten Wiederaufnahme rechnen wir mit einem moderaten, temporären Anstieg der Frachtraten; die schrittweise Hochsteuerung der Dienste sowie die derzeit weiche Marktlage sollten jedoch Überhitzungstendenzen begrenzen. Das chinesische Neujahr dämpft parallel die Produktion und Logistik.
Geopolitische Lage: Im Roten Meer kommt es seit Anfang Februar wiederholt zu Huthi‑Angriffen auf Handelsschiffe (Bab‑el‑Mandeb). Zahlreiche Carrier weichen präventiv über das Kap der Guten Hoffnung aus—mit spürbaren Effekten auf Laufzeiten, Lagerkosten und Raten.
Im Persischen Golf hat der Iran nach US‑israelischen Angriffen Ende Februar die Straße von Hormus faktisch geschlossen; mehrere Schiffe wurden getroffen, über 170 Containerschiffe waren zeitweise blockiert oder wichen aus. Die maritime Sicherheitslage ist so kritisch wie seit Jahren nicht—mit direkten Auswirkungen auf Container‑ und Rohstoffverkehre. In Summe erhöht das die Volatilität bei Frachtkosten, verlängert Lieferzeiten und verstärkt Unsicherheit—ein Umfeld, in dem Bevorratung, Preisstrategie und Beschaffung noch sorgfältiger auszubalancieren sind.
Die Umstellung auf DMS Import und die Abschaltung des bisherigen Systems dürften bis Ende Februar 2026 abgeschlossen worden sein—trotz punktuell längerer Abfertigungszeiten während der Übergangsphase. Zusätzlich führt die EU zum 1. Juli 2026 einen temporären Einfuhrzoll auf Kleinsendungen < 150 € (pauschal ~ 3 € pro Produkt) ein. Diese Übergangslösung gilt bis 2028, ehe Standardzölle auf alle Einfuhren greifen sollen.
Nach einem „Soft Landing“ Ende 2025 (ca. 1,00 €/kg) ziehen die Schrottpreise seit Jahresbeginn wieder an. Gründe sind das saisonal knappe Angebot, Werkseindeckungen nach dem Jahreswechsel und ein spürbarer Shift hin zu EU‑Schmelzen. In Summe ergibt sich ~ + 15 %, mit weiterem Aufwärtspotenzial bei anhaltend enger Versorgung.
Seit dem 1. Januar 2026 entsteht für jede Einfuhr eine CO₂‑Kostenposition, die an den EU‑ETS‑Preis (~ 70–90 €/t CO₂, volatil) gekoppelt ist. Liegen werks‑ und produktionsspezifische Emissionsdaten aus Drittländern nicht in ausreichender Qualität vor, greift die Berechnung über EU‑Default‑Werte—inkl. Aufschlag (+ 10 % in 2026, ansteigend auf + 30 % bis 2028). Das kann tatsächliche Emissionen um 30–50 % überzeichnen und Importe merklich verteuern. Implikation: Wir beobachten einen deutlichen Sourcing‑Shift von Asien hin zu europäischen Quellen—getrieben von Kosten, Transparenzanforderungen und Compliance‑Sicherheit.
Die EU plant die Ersetzung der aktuellen Safeguards durch ein neues Tarifsystem. Kernelemente: deutlich reduzierte zollfreie Quoten, Verdopplung der Über‑Quota‑Abgabe (25 % → 50 %) sowie eine verpflichtende „Melt‑and‑Pour“‑Regel, die den ursprünglichen Schmelzort nachweist.
Kostenwirkung & Planbarkeit: Noch unklar, da Quartalsanpassungen, Übertragungen ungenutzter Mengen und ausstehende Beschlüsse von Rat/Parlament die endgültige Ausgestaltung beeinflussen. Unternehmen sollten mit steigenden Importkosten und geringerer Vorhersehbarkeit bei Quote und Dokumentation rechnen.
Nahtlose Rohre
Die Kombination aus CBAM‑Kosten, strengeren Importkontrollen und verschärften Nachweispflichten (inkl. Melt‑and‑Pour) reduziert die Wettbewerbsfähigkeit von Importware spürbar. Parallel drängen neue, teils wenig etablierte Anbieter in den Markt—was Qualitäts‑ und Compliance‑Prüfungen aufwendiger macht.
Empfehlung: Frühzeitige Risikominimierung (Lieferanten‑Audit, alternative EU‑Quellen, vertragliche Emissions‑Datenpflichten) erhöht Planungssicherheit und reduziert Verzögerung und Kostentreiber.
Geschweißte Rohre
Die Preise in Europa ziehen weiter an—nicht primär nachfrage‑, sondern regulatorisch getrieben. Hohe Default‑Werte erhöhen die CO₂‑Aufschläge auf Drittlandsimporte deutlich; entsprechend wächst die Preisgestaltungsmacht der EU‑Werke.
Für Abnehmer heißt das: CBAM‑Konformität und Timing werden zum integralen Teil der Beschaffungsstrategie.
Fittings & Flansche
Auch hier sehen wir höhere Exportangebote (v. a. China → EU) in Folge des CBAM‑Exposure. Fundamentale Nachfrageimpulse bleiben allerdings verhalten; der Markt ist kurz‑ bis mittelfristig uneinheitlich. Nach dem chinesischen Neujahr erwarten wir mehr Klarheit über Verfügbarkeit, Preislinien und Lieferzeiten.
Stabstahl
Nach einer langen Phase schwacher Nachfrage und niedriger Auslastung zeigt sich der Markt ausgeglichener—gestützt durch CBAM und die für 1. Juli 2026 erwartete Safeguard‑Verschärfung. Werke mit Spezialfokus, nachhaltigem Profil und starker Anwendungstechnik sind besser positioniert als reine Commodity‑Anbieter. Die höhere Orderaktivität verlängert Lieferzeiten; höhere Basispreise bis Ende Q1 gelten als wahrscheinlich.
Bleche
Der Jahresstart verläuft wie erwartet: Preisauftrieb in Januar/Februar und weiterer Anstieg im Frühjahr. Ursachen sind reduzierte Kapazitäten (→ längere Leadtimes), höhere Rohstoffpreise (Ni, Schrott, Mo) sowie nachlassender Importdruck aufgrund der Kosten‑ und Unsicherheitslage. Trotz noch flacher Endnachfrage (u. a. in Deutschland/Italien) steigen die Preise: bislang + 8–10 % (von Ende 2025 bis Ende Q1/2026), mit Fortsetzung in Q2, da Kapazitäten bereits für Mai/Juni gebucht werden.
2026 markiert einen Stimmungsumschwung in der Edelstahl‑Wertschöpfungskette. Preise stabilisieren sich oder steigen, Rohstoffe (Ni, Mo, Schrott) stützen Alloy‑Surcharges, Aluminium/Kupfer bleiben knapp/volatil.
Gleichzeitig prägt Regulatorik das Marktgefüge: CBAM belastet Importkosten, das neue Safeguard‑Reglement wird ab Juli die Quote/Duties verschärfen und Melt‑and‑Pour verankern. Besonders importabhängige Segmente—allen voran nahtlose Rohre—spüren den Druck zuerst, während europäische Beschaffung an relativer Attraktivität gewinnt.
In diesem Umfeld sind frühe Risikosteuerung, stringente Daten‑ & Compliance‑Prozesse sowie strategische, diversifizierte Beschaffungsentscheidungen zentral, um Lieferfähigkeit und Marge zu sichern.
